anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Immobilienrecht , 06.09.2017

Hauskauf: Mangel Feuchtigkeit!

Hauskauf: Mangel Feuchtigkeit! © mko - topopt

Das kennen viele Immobilienerwerber: Nach dem Kauf kommen nach kurze Zeit im Traumhaus versteckte Mängel zu Tage, beispielsweise Feuchtigkeit im Mauerwerk, auf. Was können Immobilienerwerber jetzt tun?

Baumangel: Unbedingt Kaufvertrag prüfen!


Zunächst sollte der Immobilienerwerber in seinen Immobilienkaufvertrag schauen: Wurde hinsichtlich des auftretenden Mangels ein Haftungsausschluss vereinbart?

Wenn nein, kann der Immobilienerwerber die üblichen Mängelgewährleistungsrechte wie etwa Nacherfüllung, Rücktritt, Minderung des Kaufpreises oder Schadensersatz gegenüber dem Verkäufer geltend machen.

Wurde ein Haftungsausschluss hinsichtlich des aufgetretenen Mangels im Kaufvertrag vereinbart, sollte überprüft werden, ob der Haftungsausschluss tatsächlich wirksam ist. Hier ist die fachmännische Expertise vom Anwalt gefragt.

Doch selbst wenn ein wirksamer Haftungsausschluss vorliegt, sollte geprüft werden, ob der Verkäufer den Mangel gegenüber dem Käufer arglistig verschwiegen hat. In diesem Fall würde der Verkäufer trotz Haftungsausschluss hinsichtlich des Mangels haften. Arglist des Verkäufers muss allerdings vom Käufer nachgewiesen werden, was sich in der Praxis oft schwierig gestaltet.

Schadensersatz bei Alufolie gegen Feuchtigkeit!


Das Oberlandesgericht Oldenburg (Aktenzeichen 1 U 129/13) hat ein Hausverkäufer zur Zahlung von Schadensersatz und zur Rückabwicklung des Kaufvertrages verurteilt, dessen verkauftes Haus Feuchtigkeit im Boden- und Sockelaufbau aufwies. Der Käufer hatte nach Einzug in sein neues Haus insbesondere im Wohnzimmer feuchte Stellen entdeckt. Diese waren bei der Besichtigung des Gebäudes nicht zu erkennen gewesen. Ein gerichtlicher Sachverständiger stellte im Prozess fest, dass das Gebäude im Boden- und Sockelaufbau so feucht war, dass man es nicht bzw. nur eingeschränkt bewohnen könne.

Das OLG Oldenburg entschied den Fall wie folgt: Der Verkäufer könne sich nicht auf den Haftungsausschluss berufen, weil er arglistig gehandelt habe. Er habe von der Feuchtigkeit im Bereich des Wohnzimmers und eines weiteren Zimmers gewusst und hätte den Käufer darüber aufklären müssen. Der Sachverständige hatte festgestellt, dass nicht zuletzt an den Wänden dieser Zimmer hinter der Tapete Alufolie aufgebracht worden war. Durch diese Maßnahme sollte, so der Sachverständige, das Feuchtigkeitsbild beseitigt werden. Während die Mauer dahinter feucht blieb, zeigte die Tapete davor erst dann Feuchtigkeitserscheinungen, wenn die Folie nicht mehr dicht hielt.

Der Verkäufer hatte eingeräumt, lediglich im Bereich des Schornsteins und der Wirtschaftsküche Alufolie aufgebracht zu haben. Der Senat glaubte ihm hingegen nicht, dass er von der im Übrigen verwendeten Folie keine Kenntnis hatte. Der Verkäufer bewohnte das Haus bereits seit 1958. Er hatte ein Bild zur Akte gereicht, das eine Wand bei Renovierungsarbeiten zeigte. Die Wand war mit einer Zeitung beklebt. Dieses Zeitungsblatt ließ erkennen, dass es nach dem Jahr 2000 gedruckt worden war, voraussichtlich im Jahr 2004 oder 2009. Wenn der Verkäufer aber in dieser Zeit die Wände neu tapeziert hatte, so musste ihm nach Ansicht der Richter die Verwendung der Alufolie und die Feuchtigkeit an den Wänden aufgefallen sein. Zumal der Sachverständige zuvor erklärt hatte, dass Alufolien erst in den 1970er Jahren zur Bekämpfung des Feuchtigkeitsbildes verwendet worden waren und der Kläger nicht erklärt hatte, dass danach noch Umbauarbeiten ohne ihn stattgefunden hätten.

Überführter Verkäufer muss alle Kosten tragen!


Neben der Rückabwicklung des Kaufvertrages und damit der Rückzahlung des Kaufpreises muss der Verkäufer jetzt auch die Maklerkosten, die Grunderwerbsteuer und die Kosten für einen Privatsachverständigen dem Käufer erstatten.
erstmals veröffentlicht am 05.03.2015, letzte Aktualisierung am 06.09.2017

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Wohnen & Bauen
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Immobilienrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.023255813953488 / 5 (43 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Gesellschaftsrecht 23.01.2017
Der Verkauf eines Unternehmens ist eine höchst komplexe Angelegenheit, die auch unter Ehrenmännern kaum mit einem Handschlag zu erledigen ist. Für einen rechtssicheren Verkauf bedarf es erheblicher Vorbereitungen und Verhandlungen sowie kundiger Beratung.
Kategorie: Anwalt Immobilienrecht 22.06.2017
Der Kauf einer Immobilie birgt Fallstricke; dazu gehören versteckte Mängel. Ein Verkäufer ist verpflichtet, einen Mangel, den er kennt, zu offenbaren. Tut er das nicht, kann es sich um ein arglistiges Verschweigen handeln - mit der Folge, dass der Käufer Ansprüche gegen ihn geltend machen kann.
Online-Auktionen: Was tun bei Ärger mit ebay & co.? © sma - topopt
Kategorie: Anwalt Internetrecht 18.04.2017 (1829 mal gelesen)

Versteigerungen im Internet sind nach wie vor beliebt. Bei ebay oder unzähligen anderen Auktionsplattformen wird vom Auto über die Examensarbeiten bis zum angelutschten Promi-Kaugummi auf alles geboten, was sich versteigern lässt. Welche Rechte und Pflichten sind bei der Online-Auktion zu beachten?

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.02 / 5 (100 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Immobilienrecht Rechtsanwälte Berghoff & Schleypen 15.09.2017 (520 mal gelesen)

Kann bei Immobilienkaufverträgen ohne weiteres der Rücktritt erklärt und der Vertrag rückabgewickelt werden? Wann besteht ein Recht zur Anfechtung des Immobilienkaufvertrages?

Soweit der notarielle Vertrag über eine gebrauchte Immobilie (Mehrfamilienhaus, Einfamilienhaus, Wohnung etc.) einmal geschlossen wurde, kann er nicht mehr ohne weiteres rückabgewickelt werden. Vielmehr bedarf es hierfür in der Regel besonderer Gründe. In Betracht kommen z .B. ein vertraglich vereinbartes Rücktrittsrecht, ein gesetzliches Rücktrittsrecht oder ein Recht zur Anfechtung des Kaufvertrages.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.090909090909091 / 5 (33 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Wohnen & Bauen