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Kategorie: Anwalt Reiserecht , 19.11.2021 (Lesedauer ca. 4 Minuten, 1303 mal gelesen)

Weihnachtsmarkt: Was müssen Besucher und Gewerbetreibende beachten?

Weihnachtsmarkt: Was müssen Besucher und Gewerbetreibende beachten? © eyetronic - Fotolia

In eisiger Kälte Lebkuchen verkaufen oder von morgens bis abends Backfisch braten – das ist die unromantische Realität vieler Aushilfen auf dem Weihnachtsmarkt. Doch welche Rechte haben sie? Was ist beim Verkauf von alkoholischen Warmgetränke zu beachten? Dürfen Weihnachtsmarkt-Besucher Glühwein-Becher einfach mit nach Hause nehmen? Nach wie vielen Glühwein oder Eierpunsch sollten Autofahrer lieber die Finger vom Fahrzeugschlüssel lassen? Und worauf müssen sie beim Transport großer Tannenbäume achten?

Wer darf Glühwein, Eierpunsch und Co. verzehren?


Ob heiße Cocktails, Glühwein "mit Schuss" oder "heißer Horst": Auf dem Weihnachtsmarkt gibt es unterschiedliche Spirituosen und entsprechend unterschiedliche Regeln, ab welchem Alter der Kauf, bzw. der Konsum eines alkoholhaltigen Getränks erlaubt ist.
Der "normale" alkoholhaltige Glühwein ohne zusätzliche Spirituosen darf grundsätzlich nicht an Kinder verkauft werden. Jugendliche ohne Begleitung eines Erwachsenen dürfen sich ab 16 Jahren einen Glühwein genehmigen. Jugendliche ab 14 Jahren dürfen in Begleitung eines Erziehungsberechtigten mit dessen Zustimmung Glühwein kaufen und trinken. Anders sieht das mit branntweinhaltigen Getränken aus. Der Glühwein mit dem berühmten Schuss (z.B. Rum) darf weder von unter 18-Jährigen getrunken, noch geordert werden.

Darf man Glühwein-Becher einfach mitnehmen?


Die Becher für Glühwein und Punsch sind in der Regel jährlich limitiert und damit für viele Weihnachtsmarkt-Besucher einer beliebtes Sammler-Objekt. Aus diesem Grund werden die Pfandbecher mit nach Hause genommen oder an die Daheimgebliebenen verschenkt. Doch Vorsicht: Das ist eigentlich nicht erlaubt! "Pfand" ist rechtlich nicht dasselbe wie "Kaufpreis", auch wenn die Höhe eines Pfands dem finanziellen Wert eines Bechers entsprechen mag. Kaufen bedeutet juristisch erwerben, ein Pfand hinterlegen bedeutet, den Gegenstand zu nutzen, um ihn anschließend wieder zurückzubringen. Wer also einen Becher vom Weihnachtsmarkt ohne zu fragen mit nach Hause nimmt, begeht einen Diebstahl. Die meisten Gewerbetreibenden erstatten aber keine Anzeige, sondern haben das Pfand für den Becher so angepasst, dass es entweder dem Wert des Bechers entspricht oder sogar noch höher ist. So können die Gewerbetreibende den Verlust verschmerzen und der ein oder andere Becher kann nach Hause wandern, ohne dass der Weihnachtsmarkt-Besucher mit einer Anzeige zu rechnen hat. Besser ist es aber den Standbesitzer einfach zu fragen.

Nach vielen Glühwein sollten Autofahrer ihr Fahrzeug lieber stehen lassen?


Zu einem stimmungsvollen Weihnachtsmarktbesuch gehört für viele Besucher ein Gläschen Glühwein, Punsch oder Jagertee dazu. Doch für Autofahrer gilt: Schon nach einem Becher Glühwein und Co. sollte man das Fahrzeug besser stehen lassen und den Bus oder ein Taxi nehmen. Dies gilt besonders für Fahranfänger in der Probezeit bis zur Vollendung des 21. Lebensjahr, ansonsten riskieren sie einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei, 250 Euro Bußgeld, ein Fahrverbot und eine kostenpflichtigen Nachschulung.

Aber auch für alle übrigen Autofahrer kann schon ein Glas Glühwein erwiesenermaßen die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Selbst einzuschätzen, mit wie viel Glühwein man sich noch hinters Steuer setzen kann, ist schwer. Die Alkoholkonzentration im Blut hängt von verschiedenen Faktoren wie Alter, Gewicht, Geschlecht und Tagesform ab. Der Führerschein kann bereits bei einem Glas Glühwein weg sein, wenn der Autofahrer durch eine unsichere Fahrweise, wie etwa Fahrfehler oder Schlangenlinienfahren, auffällt. Dafür reicht auch eine Alkoholkonzentration von weniger als 0,5 Promille Alkohol im Blut.

Alkoholisierte Autofahrer mit 0,5 Promille Alkohol im Blut und mehr riskieren ein Bußgeld von 500 Euro, zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot – Wiederholungstäter noch mehr! Wer sich 1,1 Promille mit Glühwein zusammengezwitschert hat und sich hinters Steuer setzt, ist absolut fahruntüchtig und muss mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe für die Trunkenheitsfahrt rechnen. Die Fahrerlaubnis wird entzogen und eine Sperrfrist für die Wiedererteilung erteilt.

Was müssen Autofahrer beim Transport von großen Tannen berücksichtigen?


Beim Transport des Weihnachtsbaums nach Hause gilt es für Autofahrer einiges zu beachten: Wird der Weihnachtsbaum mit dem Auto transportiert, sollte er mit seiner Spitze nach hinten aus dem Kofferraum ragen. So gefährdet der Fahrtwind nicht die Äste des Baums. Ragt der Baum über einen Meter aus dem Auto, dann muss das Ende mit einem roten Tuch gekennzeichnet werden. Mehr als 1,50 Meter darf der Weihnachtsbaum allerdings nicht aus dem Auto ragen – ansonsten kann ein Bußgeld drohen!

Ob außen oder innen im Auto transportiert: Der Weihnachtsbaum muss gut mit entsprechenden Gurten gesichert werden. Ganz wichtig: Die Sicht des Autofahrers darf nicht beeinträchtigt sein.

Aushilfen auf dem Weihnachtsmarkt- Worauf müssen Gewerbetreibende achten?


Bratwürste wenden bis das Handgelenk schmerzt, Tabletts mit Glühwein schleppen bis die Schulter kracht – Arbeiten auf dem Weihnachtsmarkt kann ein Knochenjob sein. Arbeitgeber von Aushilfen auf dem Weihnachtsmarkt sind verpflichtet Gesundheit und Wohlergehen der Beschäftigten zu schützen. Sie müssen das Arbeitsschutzgesetz, das Arbeitssicherheitsgesetz und auch Vorschriften zur Unfallverhütung beachten. Dazu gehört, dass sie ihre Beschäftigten über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit aufklären- selbst oder durch eine fachkundige Person. So muss einer Aushilfe auf dem Weihnachtsmarkt etwa der Umgang mit der Fritteuse erklärt und gezeigt werden, um Unfälle zu vermeiden.

Weiterhin muss der Gewerbetreibende seine Räume und Gerätschaften, die zur Arbeit notwendig sind, so bereitstellen, dass keine Gefahr für die Gesundheit oder das Leben der Aushilfe besteht. Auch gesundheitlichen Überanstrengungen, wie etwa das stundenlange Schleppen von schweren Tabletts mit Gläsern, muss der Arbeitgeber entgegenwirken. Legt ein Beschäftigter ein ärztliches Attest vor, dass er bestimmte Tätigkeiten aufgrund seines Gesundheitszustands nicht vornehmen kann, muss der Arbeitgeber ihn mit anderen Tätigkeiten bedenken.

Verstößt der Arbeitgeber gegen seine Sorgfaltspflichten hat der Beschäftigte die Möglichkeit seine Arbeitsleistung zurückhalten. Er kann den Arbeitgeber bei der zuständigen Aufsichtsbehörde anzeigen und auf Herstellung des ordnungsgemäßen Zustands klagen. Kommt es zu einem Unfall aufgrund der Sorgfaltspflichtverletzung haftet der Arbeitgeber dem Beschäftigten auf Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Bei Berufskrankheiten oder Arbeitsunfällen springt die Berufsgenossenschaft für die Folgen ein. Es sei denn, der Arbeitgeber hat den Schaden vorsätzlich hervorgerufen, dann haftet er im vollen Umfang.

erstmals veröffentlicht am 02.12.2016, letzte Aktualisierung am 19.11.2021

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