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Strafrecht , 31.10.2016

Horror-Clowns und Prank-Videos: Wo hat der Streich seine rechtlichen Grenzen?

Grusel-Clowns treiben zurzeit überall ihr Unwesen. Sie kommen aus dem Nichts und erschrecken mit ihrem gruseligen Outfit Passanten – teilweise sogar unter Anwendung von Gewalt. Im Internet erleben seit längerem so genannte Prank-Videos einen wahren Boom. Doch wie weit darf der Grusel gehen? Wann sind rechtliche Grenzen überschritten und wann drohen für das Erschrecken sogar empfindliche Strafen?

Grusel-Clowns: Grenze zur Strafbarkeit ist schnell überschritten


Die Grusel-Clown-Szene hat aus den USA kommend mittlerweile auch Deutschland erreicht. In der Bevölkerung verbreiten die Horror-Clowns Angst und Schrecken. In einigen Fällen ist es nicht beim bloßen Erschrecken geblieben: Mit Messern, Äxten oder Motorsägen werden andere Menschen von ihnen bedroht und sogar verletzt.

Rechtlich gibt es zunächst festzustellen, dass das bloße Verkleiden als Horror-Clown nicht strafbar ist. Es ist aber eine ganz andere Situation gegeben, wenn der Horror-Clown sein Opfer nicht nur erschreckt, sondern bedroht. Dann kann schnell der Straftatbestand Bedrohung oder Nötigung gegeben sein. Verletzt der Grusel-Clown sein Opfer kommt noch Körperverletzung dazu. Springt ein Horror-Clown überraschend vor ein fahrendes Auto, kann darin die Verwirklichung des Straftatbestandes Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr erfüllt sein.

Wichtig zu wissen: Opfer dürfen sich gegen die Grusel-Clowns wehren. Ihnen steht ein Notwehrrecht zu. Die Notwehr darf aber nicht stärker sein als der Angriff. Wer einen Grusel-Clown, der nur hinter ihm hergeht sofort mit einer Schreckschusspistole attackiert, schießt übers Ziel hinaus. Wer die Grenzen der Notwehr allerdings überschreitet, weil er aufgrund der Situation verwirrt war oder sich fürchtete, bleibt straflos. Hat der Grusel-Clown allerdings eine Waffe bei sich, darf sich mit Waffengewalt gewehrt werden.

Prank-Videos: Was es zu beachten gibt!


In sogenannten Prank-Videos werden ahnungslosen Menschen Streiche gespielt. Ganz wichtig zu wissen ist dabei : Die Person, über die sich in einem Prank-Video lustig gemacht wird, muss mit der Veröffentlichung des Videos einverstanden sein – ansonsten droht Ärger, denn heimliche Aufnahmen sind in Deutschland verboten. Am besten lassen sich die Video-Produzenten eine Einverständniserklärung vom Betroffenen geben. Diese sollte im Optimal-Fall schriftlich erfolgen und die Angabe enthalten, wo das Video veröffentlicht werden soll. Also etwa bei Youtube. Wer aus welchen Gründen auch immer keine schriftliche Einverständniserklärung der betroffenen Person bekommt, kann im Rahmen eines Interviews nach dem Streich das Einverständnis abfragen. Auch gilt es für die Produzenten solcher Videos zu beachten, dass sie, sobald sie sich für den Streich auf ein fremdes Grundstück oder in ein Gebäude begeben, den Straftatbestand Hausfriedensbruch begehen. Werden fremde Menschen durch den Streich pikiert, weil sexuelle Handlungen damit verbunden sind, droht die Verwirklichung des Straftatbestandes „Erregung öffentlichen Ärgernisses“. In beidem Fällen können Freiheitsstrafen drohen.

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