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Kategorie: Anwalt Mietrecht , 30.10.2018 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Lärmbelästigung: Musizieren ist erlaubt!

Lärmbelästigung: Musizieren ist erlaubt! © mko - topopt

Aktuellen Umfragen zur Folge fühlt sich jeder dritte Deutsche in seiner häuslichen Umgebung von Lärm gestört. Ob Kindergeschrei, Klavierspielen oder Partys - Lärmbelästigungen in der Nachbarschaft sind oft Anlass für Ärger. Der Bundesgerichtshof hat jetzt entschieden, dass Nachbarn Lärm durch Musizieren in einem gewissen Maß hinnehmen müssen.

Musizieren darf zeitlich nicht zu stark eingeschränkt werden!


Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen V ZR 143/17) stellt in einer aktuellen Entscheidung klar, dass Nachbarn in einem Reihenhaus das Musizieren mit einer Trompete in gewissen Grenzen hinnehmen müssen. Der BGH nennt einen groben Richtwert von zwei bis drei Stunden Musizieren an Wochentagen und ein bis zwei Stunden an Sonn- und Feiertagen.
Im zugrundeliegenden Fall hatte ein Ortstermin ergeben, dass das Trompetespielen des Nachbarn im Schlafzimmer der Anwohner schwach zu hören war. Im Wohnzimmer wurde es als schwache Zimmerlautstärke empfunden. Die Nachbarn hätten nur dann einen Unterlassungsanspruch, wenn das Musizieren eine erhebliche Beeinträchtigung für sie darstellt. Laut BGH gehört das häusliche Musizieren aber zu einer sozialadäquaten Form der Freizeitbeschäftigung und müsse daher im Sinne einer freien Entfaltung der Persönlichkeit von den Nachbarn hingenommen werden. Allerdings hätten die auch ein Recht sich in ihrer Wohnung ohne Lärm erholen zu können. Diesen widerstreitenden Interessen könne man nur durch eine zeitlich ausgewogene Begrenzung des Musizierens gerecht werden.

Musizieren ausnahmsweise auch außerhalb der Ruhezeiten erlaubt!


Ein Münchner Hauseigentümer beschwerte sich über seine Nachbarn, deren vier Kinder regelmäßig Schlagzeug, Saxofon und Tenorhorn spielten. Das Amtsgericht München (Aktenzeichen 171 C 14312/16) wertete Lärmprotokolle des klagenden Nachbarn über einen Zeitraum von zwei Jahren aus und kam zu der Erkenntnis, dass die Kinder in der Regel während der Ruhezeiten nicht musizierten. Ein paar Ausnahmen müsse der Nachbarn dulden, schließlich könne von Kindern nicht erwartet werden, dass sie sich wie Erwachsene an Regeln hielten. Musizieren sei im Übrigen nur dann als Lärm anzusehen, wenn der Musiker nur laute Geräusche provozieren wolle und keine Melodie. Der Ortstermin habe ergeben, dass insbesondere das Schlagzeug bei geschlossenem Fenster innerhalb eines akzeptablen Geräuschpegels zu hören war, so der Münchner Richter.




erstmals veröffentlicht am 02.08.2017, letzte Aktualisierung am 30.10.2018

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