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Kategorie: Anwalt Erbrecht , 22.09.2015 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Testament nicht lesbar – ungültig!

Um den letzten Willen zu regeln, reicht ein vom Erblasser eigenhändig geschriebenes Testament. Doch Vorsicht: Wenn das Testament unleserlich geschrieben ist, wenn die Unterschrift fehlt oder die Hand des Erblassers beim Schreiben geführt wurde, ist das Testament ungültig!

Eigenhändig geschriebenes Testament muss lesbar sein


Das Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht (Aktenzeichen 3 Wx 19/15) hat ein eigenhändig geschriebenes Testament einer Erblasserin, das auch mit Hilfe eines Schriftsachverständigen nicht zu lesen war, als unwirksame letztwillige Verfügung betrachtet. Im zugrundeliegenden Fall hatte eine Frau ein Schreiben verfasst, wonach sie ihren kompletten Nachlass entgegen der gesetzlichen Erbfolge an ihre Pflegekraft vermachte. Als diese dieses Schreiben nach dem Tod der Frau beim Nachlassgericht einreicht, lehnte das Nachlassgericht dieses Schreiben als wirksames Testament ab. So entschied auch das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht mit der Begründung, dass aus einem eigenhändig geschriebenen Testament der Wille des Erblassers erkennbar sein müsse. Daher sei es unumgänglich, dass ein Testament lesbar sei. Weder das im Lesen von Testamenten erfahrene Gericht noch ein Sachverständiger für Schrift konnten im zu entscheidenden Fall Teile des Testaments lesen. Damit sei unklar, was die Erblasserin konkret an die Pflegekraft vermachen wollte. Die Unleserlichkeit des Testaments führt hier zu einem Formfehler, der das Testament in Gänze unwirksam macht.

Eigenhändig geschriebenes Testament muss unbeeinflusst sein


Bei einem eigenhändig errichteten Testament muss der Erblasser die letztwillige Verfügung auch tatsächlich alleine geschrieben haben. Eigenhändigkeit ist nicht mehr gegeben, wenn dem Erblasser bei der Abfassung des Testaments die Hand geführt wird. Dies entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen I-15 W 231/12) und erklärte ein Testament für unwirksam, das nicht auf der unbeeinflussten Schreibleistung des Erblassers beruhte.

Eigenhändig geschriebenes Testament muss unterschrieben sein


Um ein wirksames eigenhändiges Testament zu errichten, muss das Testament mit einer Unterschrift (Vor- und Nachname) versehen sein. Ein Testament unter dem lediglich steht „eure Mutter“ ist nicht wirksam unterschrieben. Auch eine Unterschrift mit einem Künstlernamen ist bei einem eigenhändigen Testament nicht gestattet. Ebenso wenig die Unterzeichnung mit den Initialen des Erblassers, so etwa das Oberlandesgericht Celle (Aktenzeichen 6 U 117/10).
Beim gemeinschaftlichen eigenhändigen Testament reicht es aus, das ein Ehegatte das Testament eigenhändig niederschreibt und beide Ehegatten den gesamten Text eigenhändig unterschreiben.

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