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Kategorie: Anwalt Immobilienrecht , 05.10.2022 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 74 mal gelesen)

Wohnung gekündigt: Wie läuft eine Zwangsräumung ab?

angestrengter Mann steht vor vielen Umzugskartons angestrengter Mann steht vor vielen Umzugskartons © freepik-mko

Wurde das Mietverhältnis wegen Mietrückständen oder wegen Pflichtverletzungen aus dem Mietvertrag gekündigt, bedeutet das nicht immer, dass der Mieter auch am Ende auszieht. Die Zwangsräumung ist dann oft das letzte Mittel, um den Mieter aus der Wohnung zu kriegen. Doch was muss vor einer Zwangsräumung passieren? Und wie läuft eine Zwangsräumung ab?

Was muss vor einer Zwangsräumung passieren?


Eine Zwangsräumung kann nur erfolgen, wenn der Vermieter vorher eine Kündigung des Mietverhältnisses ausgesprochen hat, die vom Mieter nicht beachtet wurde. In vielen Fällen, wie etwa bei unerlaubter Untermiete oder Verstößen gegen die Hausordnung, muss vor der Kündigung des Mietverhältnisses noch eine Abmahnung erfolgen. Nur wenn der Mieter um mehr als zwei Monatsmieten im Zahlungsrückstand ist, kann die Kündigung des Mietverhältnisses ohne Abmahnung erklärt werden. Der Vermieter muss dem Mieter zusätzlich zur fristlosen Kündigung eine Frist zum Auszug setzen.

Ist die Frist zum Auszug verstrichen, darf der Vermieter nicht selbst tätig werden, in dem er etwa die Wohnung einfach räumen oder die Schlösser der Wohnungstür austauschen lässt. Zieht der Mieter nicht aus, kann der Vermieter Räumungsklage beim zuständigen Amtsgericht erheben. Dem Mieter wird die Klage zugestellt und er hat die Möglichkeit sich dazu zu äußern. Unterlässt er dies, ergeht ein Versäumnisurteil. Nimmt er zur Räumungsklage Stellung, kommt es in der Regel zu einer Gerichtsverhandlung. Ist die Räumungsklage gerechtfertigt, erhält der Vermieter einen Räumungstitel. Mit dem rechtskräftigen Räumungstitel kann er dann einen Gerichtsvollzieher beauftragen, die Wohnung räumen zu lassen.

Wie läuft die Zwangsräumung ab?


Mit dem Räumungstitel setzt das Gericht dem Mieter eine letzte Frist für den Auszug. In der Regel handelt es sich hier um eine Frist von zwei bis drei Monaten. Kommt der Mieter der Aufforderung zum Auszug nicht nach, kann der Gerichtsvollzieher ihn aus der Wohnung entfernen und die Wohnung durch eine Spedition ausräumen lassen. Der Hausrat wird eingelagert. Offensichtlicher Müll kann entsorgt werden. Auch wird er die Türschlösser austauschen lassen.

Der Mieter hat jetzt einen Monat Zeit seine Sachen beim Gerichtsvollzieher gegen Zahlung der Lagerkosten abzuholen. Danach werden die Sachen öffentlich versteigert.

Was ist eine „Berliner Räumung“?


Bei der sog. "Berliner Räumung" wird die Wohnung nicht durch eine Spedition ausgeräumt. Hier bleibt der ganze Hausrat in der Wohnung und werden dort vom Gerichtsvollzieher zu Beweiszwecken dokumentiert. Nach Ablauf eines Monats kann der Vermieter den Hausrat versteigern lassen oder verkaufen. Im Gegensatz zur klassischen Zwangsräumung entstehen hier nur Kosten für den Gerichtsvollzieher und den Austausch der Türschlösser.

Können Mieter sich vor einer Zwangsräumung schützen?


Mieter, die sich einer Zwangsräumung ausgesetzt sehen, haben die Möglichkeit bis spätestens zwei Wochen vor dem gerichtlich terminierten Räumungstermin einen Antrag auf Vollstreckungsschutz beim zuständigen Gericht zu stellen. Liegen Härtegründe beim Mieter vor, die schwerer als das Schutzbedürfnis des Vermieters wiegen, kann das Gericht dir Zwangsräumung ganz oder teilweise aufheben. Härtegründe sind etwa eine Suizidgefahr beim Mieter aufgrund des bevorstehenden Auszugs oder wenn die Mieterin sich gerade in Mutterschutz befindet. In diesen Fällen haben Mieter die Möglichkeit Räumungsaufschub zu erhalten.

Wer trägt die Kosten der Zwangsräumung?


Die Kosten für den Gerichtsvollzieher, den Spediteur, die Lagerung des Hausrats, die neuen Türschlösser etc. muss zunächst der Vermieter vorstrecken. Er kann sich die Kosten dann vom Mieter zurückerstatten lassen. Problematisch ist dies, wenn der Mieter zahlungsunfähig ist. In diesem Fall bleibt der Vermieter auf den Kosten sitzen.

Wie lange dauert das Räumungsverfahren?


Die Dauer des Räumungsverfahrens – also von der Erhebung der Räumungsklage bis zur Zwangsräumung – kann man nicht pauschal benennen. Zum einen hängt sie von der Arbeitsbelastung des Gerichts ab, aber auch von den Einwänden des Mieters gegen die Zwangsräumung. In der Regel dauert ein Räumungsverfahren von einem halben bis zu einem Jahr.



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