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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 29.07.2020 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 1330 mal gelesen)

Wann gibt es Schadensersatz bei misslungenem Tattoo?

Tätowiermaschine in Hand mit schwarzen Handschuhen Tätowiermaschine in Hand mit schwarzen Handschuhen © freepik - mko

Schief, verschwommen oder mit Rechtschreibfehlern: Geht beim Tattoo stechen etwas schief ist der Ärger groß. Doch wann muss ein Tätowierer Schadensersatz und Schmerzensgeld leisten? Welche Ansprüche bestehen, wenn sich das Tattoo entzündete oder Gesundheitsschäden verursacht? Und wer trägt die Kosten für die Entfernung eines misslungen Tattoos?

„Unscharfes“ Tattoo – Wer trägt die Schuld?


Eine Frau ließ sich auf ihren linken Unterarm folgenden Schriftzug stechen: „Je t´aime mon amour, Tu es ma vie, Nous Ensemble Pour Toujours, L. ♥ A.“. Mit dem Ergebnis war sie allerdings äußerst unzufrieden. Ihrer Ansicht nach arbeitete der Tätowierer handwerklich nicht korrekt. Das Tattoo sei unscharf, nicht deutlich zu lesen, uneinheitlich groß und schief. Sie beabsichtigt das Tattoo langfristig wieder entfernen zu lassen und verlangte für die dabei entstehenden Schmerzen vom Tätowierer Schmerzensgeld. Zu Recht, entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 132 C 17280/16) und verurteilte den Tätowierer zur Zahlung von 1.000 Euro Schmerzensgeld und Rückzahlung der Tattoo-Rechnung in Höhe von 100 Euro. Ein Sachverständigengutachten habe die handwerkliche Mangelhaftigkeit des Tattoos bestätigt. Der Schriftzug sei uneinheitlich, schief und unscharf. Diese Qualität müsse die Kundin nicht hinnehmen.

Das Amtsgericht Augsburg lehnte hingegen die Forderungen einer Kundin, deren gestochenes Tattoo unscharf war, auf Schmerzensgeld und Schadensersatz ab. Die Frau hatte sich die Namen ihrer beiden Kinder mit deren Geburtsdaten auf ihren Arm tätowieren lassen. Mit dem Ergebnis zeigte sich die Kundin nicht zufrieden. Die Buchstaben seien unscharf und nicht zu erkennen und insgesamt sei das Tattoo ungleichmäßig gestochen. Sie verlangte vom Tattoo-Studio ihr Geld zurück sowie die Kosten für das Entfernen des Tattoos und Schmerzensgeld. Zu Unrecht, urteilte das Gericht. Das Tattoo sei nach seiner Fertigstellung völlig in Ordnung gewesen, dies zeige auch ein Foto auf Facebook. Das im Heilungsprozess die Farben verlaufen können, sei der Frau vor der Tätowierung vom Tattoo-Studio mitgeteilt worden.

Ebenso urteile das Amtsgericht Gelsenkirchen im Fall einer Frau, bei deren Tattoo kurz nach dem Stechen die Farbe verlief. Der Tätowierer muss laut Gericht keinen Schadensersatz oder Schmerzensgeld leisten, weil die Frau sich nicht an seinen Hinweis hielt, Sonnenbäder nach einer frischen Tätowierung zu vermeiden.

Laut einer Entscheidung des Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 12 U 151/13) muss ein Kunde sich bei einem unscharfen Tattoo, das aufgrund des Stechens der Farbe in zu tiefe Hautschichten entstanden ist, nicht auf einen Nachbesserungsversuch des Tätowierers einlassen. Statt dessen steht ihm ein Schmerzensgeld zu.

„Schiefes“ Tattoo – Tätowierer darf nachbessern


Ein „schiefes“ Tattoo ist ein handwerklicher Mangel, den der Tätowierer nachbessern darf. Erst wenn ihm das nicht gelingt, steht dem Kunden ein Anspruch auf Schadensersatz für das misslungenen Tattoo zu, entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 213 C 917/11).

Bio-Tattoo löst sich nicht auf - Schadensersatz und Schmerzensgeld


Löst sich ein sogenanntes Bio-Tattoo nicht nach einer bestimmten Zeit auf, muss das Tattoo-Studio der Kundin Schadensersatz und Schmerzensgeld leisten, entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 7 U 125/08). Die Kundin musste sich das Bio-Tattoo letztlich weglasern lassen.

Haftet der Tätowierer für nachträgliche Hautinfektionen?


Tritt nach einer Tätowierung eine entzündliche Hauterkrankung beim Kunden auf, muss das Tattoo-Studio dafür nicht unbedingt haften. Dies zeigt folgender Fall vor dem Landgericht Coburg (Aktenzeichen 11 O 567/10): Bei einer Kundin trat sechs Monate nach der Tätowierung eine entzündliche Hautveränderung auf, die operativ entfernt werden musste. Der Frau hätte laut Gericht bekannt sein müssen, dass nach einer Tätowierung ein Infektionsrisiko der Haut besteht. Darüber musste das Tattoo-Studio sie auch nicht noch mal explizit aufklären. Das Hygieneregeln missachtet oder die Farbe falsch angewendet wurden, konnte die Frau nicht nachweisen.

Wer darf misslungene Tattoos entfernen?


Ab Ende 2020 dürfen Tattoos und Permanent Make-Up nicht mehr in Tattoo-Studios, sondern nur noch durch Ärzte mit einer Laserbehandlung entfernt werden. Dies ergibt sich aus einer neuen Verordnung zur Modernisierung des Strahlenschutzgesetzes.

Zahlt die Krankenkasse das Entfernen eines Tattoos?


Versicherte haben grundsätzlich keinen Anspruch darauf, dass ihre Krankenkasse eine Laserbehandlung zur Entfernung eines Tattoos bezahlt. Auch dann nicht, wenn das missratene Tattoo beim Tätowierten Depressionen hervorruft, entschied das Sozialgericht Stuttgart (Aktenzeichen S 27 KR 916/16). Das betroffene Tattoo wirke im zu entscheidenden Fall nicht entstellend und sei leicht mit Kleidung zu bedecken. Depressionen geben dem Versicherten einen Anspruch auf entsprechende therapeutische Behandlung, aber nicht auf Eingriffe in den ansonsten gesunden Körper, so das Sozialgericht Stuttgart.

In Fall einer Frau, die von ihrem Zuhälter zur Prostitution und zu einer Tätowierung am Hals mit den Initialen der Täter gezwungen wurde, muss die Krankenkasse die Kosten für die Entfernung dieses Tattoos übernehmen. Dies entschied das Sozialgericht Düsseldorf (Aktenzeichen S 27 KR 717/16) und stellt in seinem Urteil klar, dass hier ausnahmsweise um eine Krankenbehandlung vorliege. Mit der Tätowierung werde die Frau als Opfer einer Zwangsprostitution erkannt. Dies führe bei ihr zu posttraumatischen Belastungsstörungen und sei damit anders zu beurteilen, als das Entfernen eines Tattoos, das nicht mehr gefällt.

erstmals veröffentlicht am 29.08.2018, letzte Aktualisierung am 29.07.2020

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