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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 14.11.2018 (Lesedauer ca. 3 Minuten)

Wann gibt es Schadensersatz bei misslungenem Tattoo?

Wann gibt es Schadensersatz bei misslungenem Tattoo? © fpr - topopt

Tattoos sind in – jeder zehnte Deutsche ist mittlerweile tätowiert! Doch nicht immer fällt das Tattoo so aus wie man sich das vorgestellt hat – schief, verschwommen oder im schlimmsten Fall der falsche Name! Muss das Tattoo-Studio in diesen Fällen Schadensersatz leisten? Und welche Ansprüche bestehen, wenn das Tattoo Gesundheitsschäden verursacht? Zukünftig soll die Entfernung eines Tattoos nur noch durch Ärzte erfolgen dürfen.

Tattoo-Entfernung nur noch durch Ärzte


Künftig dürfen Tattoos und Permanent Make-Up nur noch durch Ärzte mit einer Laserbehandlung entfernt werden. Dies ergibt sich aus einer neuen Verordnung zur Modernisierung des Strahlenschutzgesetzes, die zum 31.12.2018 in Kraft treten soll. Bundesrat und Bundestag haben bislang aber noch keine Einigung erzielt, wie lange die Übergangsfrist sein soll. Der Bundestag sieht in seinem Verordnungsvorschlag eine drei-monatige Übergangsfrist vor, der Bundesrat fordert eine Übergangsfrist bis 2020, damit sich die Betroffenen besser auf die neue Rechtslage einstellen können.

„Schiefes“ Tattoo: Kein Schadensersatz und Schmerzensgeld ohne Nachbesserungsversuch


Fehlerhafte Tätowierungen begründen nur dann einen Schadensersatzanspruch, wenn der Tätowierer vergeblich versucht hat das Tattoo nachzubessern. Erklärt sich eine unzufriedene Kundin mit der Nachbesserung ihres Tattoos nicht einverstanden, kann sie auch keinen Schadensersatz oder Schmerzensgeld für ein schiefes Tattoo verlangen. Dies entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 213 C 917/11).

„Unscharfes“ Tattoo: Kein Schadensersatz und Schmerzensgeld bei möglichen Farbverlauf


Eine Frau ließ sich die Namen ihrer beiden Kindern mit deren Geburtsdaten auf ihren Arm tätowieren. Mit dem fertigen Tattoo war die Frau nicht einverstanden: Die Buchstaben seien unscharf und nicht zu erkennen und insgesamt sei das Tattoo ungleichmäßig gestochen. Sie verlangte vom Tattoo-Studio ihr Geld zurück sowie die Kosten für das Entfernen des Tattoos und Schmerzensgeld. Zu Unrecht, entschied das Amtsgericht Augsburg. Das Tattoo sei nach seiner Fertigstellung völlig in Ordnung gewesen, dies zeige auch ein Foto auf Facebook. Das im Heilungsprozess die Farben verlaufen können, sei der Frau vor der Tätowierung vom Tattoo-Studio mitgeteilt worden.

„Unscharfes“ Tattoo: Schmerzensgeld bei Unleserlichkeit eines Schriftzug


In einem anderen Fall ließ sich eine Frau auf ihren linken Unterarm folgenden Schriftzug stechen: „Je t´aime mon amour, Tu es ma vie, Nous Ensemble Pour Toujours, L. ? A.“. Mit dem Ergebnis war sie allerdings äußerst unzufrieden. Ihrer Ansicht nach arbeitete der Tätowierer handwerklich nicht korrekt. Das Tattoo sei unscharf, nicht deutlich zu lesen, uneinheitlich groß und schief. Sie beabsichtigt das Tattoo langfristig wieder entfernen zu lassen und verlangte für die dabei entstehenden Schmerzen vom Tätowierer Schmerzensgeld - sie bekam vom Amtsgericht München (Aktenzeichen 132 C 17280/16) Recht. Das Gericht verurteilte den Tätowierer zur Zahlung von 1.000 Euro Schmerzensgeld und Rückzahlung der Tattoo-Zahlung in Höhe von 100 Euro. Ein Sachverständigengutachten habe die handwerkliche Mangelhaftigkeit des Tattoos bestätigt. Der Schriftzug sei uneinheitlich, schief und unscharf. Diese Qualität müsse die Kundin nicht hinnehmen.

Nachträgliche Hautinfektion: Kein Schadensersatz und Schmerzensgeld


Tritt nach einer Tätowierung eine entzündliche Hauterkrankung beim Kunden auf, muss das Tattoo-Studio dafür nicht haften. Dies entschied das Landgericht Coburg (Aktenzeichen 11 O 567/10) im Fall einer Kundin, bei der sechs Monate nach der Tätowierung eine entzündliche Hautveränderung auftrat, die operativ entfernt werden musste. Der Frau hätte bekannt sein müssen, dass nach einer Tätowierung ein Infektionsrisiko der Haut besteht. Darüber musste das Tattoo-Studio sie auch nicht noch mal explizit aufklären. Das Hygieneregeln missachtet oder die Farbe falsch angewendet wurden, konnte die Frau nicht nachweisen.

Dauerhaftes Bio-Tattoo: Schadensersatz und Schmerzensgeld


Löst sich ein sogenanntes Bio-Tattoo nicht auf, muss das Tattoo-Studio der Kundin Schadensersatz und Schmerzensgeld leisten, entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 7 U 125/08). Die Kundin musste sich das Bio-Tattoo weglasern lassen.

Tattoo-Entfernung nur im Ausnahmefall von Krankenkasse zu zahlen


Versicherte haben keinen Anspruch darauf, dass ihre Krankenkasse eine Laserbehandlung zur Entfernung eines Tattoos bezahlt. Auch dann nicht, wenn das missratene Tattoo beim Tätowierten Depressionen hervorruft, entschied das Sozialgericht Stuttgart (Aktenzeichen S 27 KR 916/16). Das betroffene Tattoo wirke im zu entscheidenden Fall nicht entstellend und sei leicht mit Kleidung zu bedecken. Das Entfernen des Tattoos habe keine Auswirkung auf die Körperfunktionen. Depressionen geben dem Versicherten einen Anspruch auf entsprechende therapeutische Behandlung, aber nicht auf Eingriffe in den ansonsten gesunden Körper, so das Sozialgericht Stuttgart.

In einem anderen Fall, erhält eine Frau, die von ihrem Zuhälter zur Prostitution und zu einer Tätowierung am Hals mit den Initialen der Täter gezwungen wurde, die Kosten für die Entfernung dieses Tattoos von der Krankenkasse erstattet. Dies entschied das Sozialgericht Düsseldorf (Aktenzeichen S 27 KR 717/16) und stellt in seinem Urteil klar, dass es sich hier ausnahmsweise um eine Krankenbehandlung handele. Mit der Tätowierung werde die Frau als Opfer einer Zwangsprostitution erkannt. Dies führe bei ihr zu posttraumatischen Belastungsstörungen und sei damit anders zu beurteilen, als das Entfernen eines Tattoos, das nicht mehr gefällt.

erstmals veröffentlicht am 29.08.2018, letzte Aktualisierung am 14.11.2018

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