anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 29.08.2018 (Lesedauer ca. 3 Minuten)

Wann gibt es Schadensersatz bei misslungenem Tattoo?

Wann gibt es Schadensersatz bei misslungenem Tattoo? © fpr - topopt

Tattoos sind in – jeder zehnte Deutsche ist mittlerweile tätowiert! Doch nicht immer fällt das Tattoo so aus wie es sich sein Träger vorgestellt hat – schief, verschwommen oder im schlimmsten Fall der falsche Name! Muss das Tattoo-Studio in diesen Fällen Schadensersatz leisten? Und welche Ansprüche bestehen, wenn das Tattoo Gesundheitsschäden verusacht?

„Schiefes“ Tattoo: Kein Schadensersatz und Schmerzensgeld ohne Nachbesserungsversuch


Fehlerhafte Tätowierungen begründen nur dann einen Schadensersatzanspruch, wenn der Tätowierer vergeblich versucht hat das Tattoo nachzubessern. Erklärt sich eine unzufriedene Kundin mit der Nachbesserung ihres Tattoos nicht einverstanden, kann sie auch keinen Schadensersatz oder Schmerzensgeld für ein schiefes Tattoo verlangen. Dies entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 213 C 917/11).

„Unscharfes“ Tattoo: Kein Schadensersatz und Schmerzensgeld bei möglichem Farbverlauf


Eine Frau ließ sich die Namen ihrer beiden Kindern mit deren Geburtsdaten auf ihren Arm tätowieren. Mit dem fertigen Tattoo war die Frau nicht einverstanden: Die Buchstaben seien unscharf und nicht zu erkennen und insgesamt sei das Tattoo ungleichmäßig gestochen. Sie verlangte vom Tattoo-Studio ihr Geld zurück sowie die Kosten für das Entfernen des Tattoos und Schmerzensgeld. Zu Unrecht, entschied das Amtsgericht Augsburg. Das Tattoo sei nach seiner Fertigstellung völlig in Ordnung gewesen, dies zeige auch ein Foto auf Facebook. Das im Heilungsprozess die Farben verlaufen können, sei der Frau vor der Tätowierung vom Tattoostudio mitgeteilt worden.

„Unscharfes“ Tattoo: Schmerzensgeld bei Unleserlichkeit eines Schriftzugs


In einem anderen Fall ließ sich eine Frau auf ihren linken Unterarm folgenden Schriftzug stechen: „Je t´aime mon amour, Tu es ma vie, Nous Ensemble Pour Toujours, L. ? A.“. Mit dem Ergebnis war sie allerdings äußerst unzufrieden. Ihrer Ansicht nach arbeitete der Tätowierer handwerklich nicht korrekt. Das Tattoo sei unscharf, nicht deutlich zu lesen, uneinheitlich groß und schief. Sie beabsichtigt das Tattoo langfristig wieder entferenen zu lassen und verlangte für die dabei enstehenden Schmerzen vom Tätowierer Schmerzensgeld - sie bekam vom Amtsgericht München (Aktenzeichen 132 C 17280/16) Recht. Das Gericht verurteilte den Tätowierer zur Zahlung von 1.000 Euro Schmerzensgeld und Rückzahlung der Tattoozahlung in Höhe von 100 Euro. Ein Sachverständigengutachten habe die handwerkliche Mangelhaftigkeit des Tattoos bestätigt. Der Schriftzug sei uneinheitlich, schief und unscharf. Diese Qualität müsse die Kundin nicht hinnehmen.

Nachträgliche Hautinfektion: Kein Schadensersatz und Schmerzensgeld


Tritt nach einer Tätowierung eine entzündliche Hauterkrankung beim Kunden auf, muss das Tattoo-Studio dafür nicht haften. Dies entschied das Landgericht Coburg (Aktenzeichen 11 O 567/10) im Fall einer Kundin bei der sechs Monate nach der Tätowierung eine entzündliche Hautveränderung auftrat, die operativ entfernt werden musst. Der Frau hätte bekannt sein müssen, dass nach einer Tätowierung ein Infektionsrisiko der Haut besteht. Darüber musste das Tattoo-Studio sie auch nicht noch mal explizit aufklären. Das Hygieneregeln missachtet oder die Farbe falsch angewendet wurden, konnte die Frau nicht nachweisen.

Dauerhaftes Bio-Tattoo: Schadensersatz und Schmerzensgeld


Löst sich ein sogenanntes Bio-Tattoo nicht auf muss das Tattoo-Studio der Kundin Schadensersatz und Schmerzensgeld leisten, entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 7 U 125/08). Die Kundin musste sich das Bio-Tatto weglasern lassen.

Tattoo-Entfernung im Ausnahmefall von Krankenkasse zu zahlen


Versicherte haben keinen Anspruch darauf, dass ihre Krankenkasse eine Laserbehandlung zur Entfernung eines Tattoos bezahlt. Auch dann nicht, wenn das missratene Tattoo bei dem Tätowierten Depressionen hervorruft, entschied das Sozialgericht Stuttgart (Aktenzeichen S 27 KR 916/16). Das betroffene Tattoo wirke nicht entstellend und sei leicht mit Kleidung zu bedecken. Das Entfernen des Tattoos habe keine Auswirkung auf die Körperfunktionen. Depressionen geben dem Versicherten einen Anspruch auf entsprechende therapeutische Behandlung, aber nicht auf Eingriffe in den ansonsten gesunden Körper, so das Sozialgericht Stuttgart.

In einem anderen Fall, erhält eine Frau, die von ihrem Zuhälter zur Prostitution und zu einer Tätowierung am Hals mit den Initialen der Täter, die Kosten für die Entfernung dieses Tattoos von der Krankenkasse erstattet. Dies entschied das Sozialgericht Düsseldorf (Aktenzeichen S 27 KR 717/16) und stellt in seinem Urteil klar, dass es sich hier ausnahmsweise um eine Krankenbehandlung handele. Mit der Tätowierung werde die Frau als Opfer einer Zwangsprostitution erkannt. Dies führe bei ihr zu posttraumatischen Belastungsstörungen und sei damit anders zu beurteilen, als das Entfernen eines Tattoos, weil es nicht mehr gefällt.


Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Schadensersatz & Haftpflicht
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Versicherungsrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.86 / 5 (50 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht 12.05.2016
Eine Schmerzensgeldtabelle, anhand derer Sie ablesen können, wie hoch das Schmerzensgeld in Ihrem Fall ist? Das gibt es nicht. Oftmals geht es in Prozessen auch nicht um die Höhe, sondern darum, ob überhaupt ein Anspruch auf Schmerzensgeld besteht.
Kategorie: Anwalt Zivilrecht 13.04.2016
Beim Hundebiss muss der Halter grundsätzlich für die finanziellen Folgen geradestehen. Allerdings kann es gebissenen Personen passieren, dass ihnen eine Mitschuld oder gar die gesamte Schuld gegeben wird. Unter Umständen erhalten sie dann gar kein Geld.
Expertentipp vom 05.05.2014 (318 mal gelesen)

Tattoos haben eine sehr lange Geschichte und genießen in vielen Kulturen spirituelle Bedeutung. Heute sind Tattoos ein Ausdruck für Individualität. Sie können bewundernde Blicke auf sich ziehen, aber auch Spott, wenn das Tattoo missraten ist. Doch was tun, wenn das Tattoo schlecht und falsch gestochen ist? Mit dieser Frage setzte sich das Oberlandesgericht Hamm (OLG) in seiner aktuellen Entscheidung vom 05.03.2014 auseinander (Az.: 12 U 151/13).

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.8181818181818183 / 5 (11 Bewertungen)
Arzthaftung: Wie viel Geld bekommen Patienten für Behandlungsfehler? © mko - topopt
Expertentipp vom 20.04.2017 (1503 mal gelesen)

Geht eine Operation schief oder führte eine ärztliche Behandlung nicht zum erhofften Erfolg, stellt sich die Frage nach der Verantwortlichkeit und damit letztlich nach der Haftung des behandelnden Arztes. Wir haben Ihnen einige ärztliche Behandlungsfehler und das dazugehörige, dem Patienten zugesprochene Schmerzensgeld, zusammengestellt …

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.873684210526316 / 5 (95 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Schadensersatz & Haftpflicht

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Datenschutzerklärung