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Arbeitsrecht , 01.10.2015

Rechtliches rund um den Telearbeitsplatz

In der modernen Arbeitswelt ist der Telearbeitsplatz nicht mehr wegzudenken. Aufgrund neuer Kommunikationstechniken müssen Arbeitnehmer nicht mehr während ihrer gesamten Arbeitzeit im Büro präsent sein, sondern können ihre Arbeit auch von zu Hause erledigen. Doch mit einem Telearbeitsplatz können auch rechtliche Probleme verbunden sein.

Wer hat einen Anspruch auf einen Telearbeitsplatz?


Grundsätzlich haben nur die Arbeitnehmer einen Anspruch auf einen Telearbeitsplatz, wenn die Telearbeit in ihrem Arbeitsvertrag vereinbart haben, oder wenn es eine entsprechende Betriebsvereinbarung gibt.
Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin (Aktenzeichen VG 36 K 448.12) kann ein Polizist von seiner Dienstbehörde nicht verlangen, dass diese ihm einen Telearbeitsplatz einrichtet. Im zugrundeliegenden Fall hatte der Kriminalbeamte einen alternierenden Telearbeitsplatz beantragt, weil er seine schwer erkrankte Tochter zu Hause betreuen wollte. Sein Dienstherr lehnte das mit der Begründung ab, dass das Aufgabengebiet des Polizisten nicht für eine alternierende Telearbeit geeignet sei. Seine Aufgaben ergäben sich oft spontan und unplanbar. Außerdem müsse der Kriminalbeamte mit sensiblen Daten arbeiten, was zu Hause nicht unbedenklich sei. Dies sah das Verwaltungsgericht Berlin ähnlich und lehnte den Telearbeitsplatz des Polizisten ab. Der Dienstherr habe hier ein Organisationsermessen und nachvollziehbar erklärt, warum die Arbeit des Kriminalbeamten nicht für einen Telearbeitsplatz geeignet sei.

Telearbeit kann steuerlich geltend gemacht werden


Nach einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (Aktenzeichen VI R 21/03 ) können Arbeitnehmer ihre Aufwendungen für die Einrichtung eines Telearbeitsplatzes zu Hause komplett bei der Einkommenssteuer geltend machen. Im zu entscheidenden Fall hatte ein Arbeitnehmer sich aufgrund einer entsprechenden Betriebsvereinbarung zu Hause einen Telearbeitsplatz eingerichtet und musste dafür einige Aufwendungen erbringen. Der Arbeitgeber verkleinerte daraufhin seine Bürofläche und entfernte Schreibtische, so dass der Mittelpunkt der beruflichen Betätigung des Arbeitnehmers zu Hause lag.

Telearbeit steht auch unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung


Gut zu wissen: Arbeitnehmer, die an einem Telearbeitsplatz etwa zu Hause arbeiten, sind durch die gesetzliche Unfallversicherung genauso geschützt wie Arbeitnehmer, die in der Firma arbeiten. Der Versicherungsschutz greift immer dann, wenn der Arbeitnehmer seine arbeitsvertraglichen Aufgaben wahrnimmt. Dazu gehören auch Dienstreisen. Nicht versichert ist der Arbeitnehmer, wenn er sich außerhalb seines häuslichen Arbeitsbereichs, etwa auf dem Weg zur Küche, befindet.

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