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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 28.02.2017

Arbeitsvertrag kündigen: Ein Überblick

Arbeitsvertrag kündigen: Ein Überblick © mko - topopt

Wie alle Verträge lässt sich auch ein Arbeitsvertrag grundsätzlich kündigen. Doch viele Kündigungen entpumpen sich als unwirksam, da etwa die Form nicht eingehalten wurde. Hohe (Gerichts-)Kosten sind die Folge. Das muss nicht sein.

Die Kündigung des Arbeitsvertrages durch den Arbeitgeber oder Arbeitnehmer ist die am häufigsten genutzte Möglichkeit zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Eine andere relevante Möglichkeit ist zum Beispiel die Vereinbarung eines Aufhebungsvertrages - oder der Arbeitsvertrag wurde von vornherein befristet vereinbart. In diesem Fall läuft er einfach aus und muss nicht gekündigt werden.

Welche Arten es gibt, einen Arbeitsvertrag zu kündigen


Bei der Kündigung des Arbeitsverhältnisses ist zum einen der Kündigungsgrund entscheidend, zum anderen ob die Kündigung unter Einhaltung einer Kündigungsfrist oder fristlos erfolgt ist. Ganz wichtig ist auch, wer gekündigt hat: für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gelten grundsätzlich unterschiedliche Spielregeln.

Arbeitsvertrag kündigen durch den Arbeitnehmer


Haben Sie einen neuen Job angeboten bekommen, möchten Sie sich selbstständig machen oder ins Ausland gehen? Als Arbeitnehmer haben Sie in diesen Fällen wenig Probleme, Ihren derzeitigen Job zu kündigen. Sollten Sie sich für die fristgerechte Kündigung entscheiden, benötigen Sie im Kündigungsschreiben nicht mal einen Grund. Je nach Betriebszugehörigkeit oder aus dem Arbeitsvertrag ergibt sich Ihre Kündigungsfrist. Danach können Sie Ihrer Wege gehen. Schwieriger ist es, wenn Sie Ihre Arbeitsstelle sofort verlassen wollen. Möglichkeit 1: Sie reden mit Ihrem Chef und vereinbaren einen Aufhebungsvertrag zum vorgezogenen Zeitpunkt X oder eine Freistellung. Möglichkeit 2: Sie kündigen fristlos. Für eine fristlose Kündigung müssen Sie allerdings einen wichtigen Grund vorlegen. Dafür reicht es nicht aus, wenn Sie einmal Ihren Monatslohns zu spät erhalten haben. Dieser Umstand muss mehrmals gegeben sein. Und vor allem "weiche Kündigungsgründe" wie Mobbing oder sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz benötigen zusätzlich eine möglichst wasserdichter Beweisführung. Auch darf eine fristlose Kündigung nicht an Bedingungen gebunden sein; Juristen nennen das "Bedingungsfeindlichkeit". Nicht wirksam ist etwa die Kündigungserklärung: "Ich kündige, wenn ich nicht ab nächsten Monat mehr Geld bekomme."

Arbeitsvertrag kündigen durch den Arbeitgeber


Der Arbeitgeber hat es grundsätzlich schwerer, einem Mitarbeiter zu kündigen. Denn der Gesetzgeber geht davon aus, dass eine Kündigung den Arbeitnehmer wirtschaftlich wesentlich härter trifft. Auf dieser Grundlage fußen die Regeln zum Kündigungsschutz von Arbeitnehmern. Doch unmöglich ist eine Kündigung, auch fristloser Natur, auch nicht für den Arbeitgeber. Eine Begründung kann eine anhaltend schlechte Wirtschaftslage sein, die eine betriebsbedingte Kündigung rechtfertigen kann. Bei betriebsbedingten Kündigungen muss der Arbeitgeber jedoch auf die Sozialverträglichkeit der Kündigungen achten. Auch ein persönlicher Grund kann Ausschlag für eine Kündigung sein. Weder muss sich der Arbeitgeber eine Beleidigung gefallen lassen, noch den Umstand, dass der Arbeitnehmer während der Arbeitszeit alles tut nur nicht arbeiten. Klar möchte der Arbeitgeber in solch ärgerlichen Fällen dem Arbeitnehmer nicht auch noch die restlichen Monate Gehalt zahlen. Die zu zahlenden Monatslöhne müssen jedoch immer auch einer längeren Auseinandersetzung vor Gericht gegenüber gestellt werden. Oftmals fährt der Arbeitgeber mit dem klassischen Weg Abmahnung + fristgerecht kündigen besser als mit der fristlosen Kündigung, die vor dem Arbeitsgericht immer wackeln kann.

Arbeitsvertrag am besten schriftlich kündigen


Als Chef oder Mitarbeiter müssen Sie zwingend schriftlich kündigen. Eine mündliche Kündigung genügt genauso wenig, wie eine Kündigung per Fax, E-Mail, SMS oder in sonstiger elektronischer Form. Ob die Kündigung tatsächlich wirksam ist, dass entscheidet sich später, nicht selten erst vor dem Arbeitsgericht. Um diesen meist langjährigen Streit zu vermeiden, wählen viele Vertragsparteien den Aufhebungsvertrag. Damit wird das Arbeitsverhältnis zu einem festgelegten Zeitpunkt beendet. Meist wird mit dem Aufhebungsvertrag eine Abfindung verbunden. Sollte kein Aufhebungsvertrag gewünscht sein, sollte geprüft werden, ob das Vorschieben einer Abmahnung die Chancen auf Anerkennung der Kündigung verbessert.

Wann muss man Kündigungsschutzklage einreichen?


Kündigungsschutzklage "muss" man immer dann einreichen, wenn man seine Arbeitsstelle behalten will. Denn der gekündigte Arbeitnehmer hat nur mit dieser Klageform die Möglichkeit, sich vor dem Arbeitsgericht gegen die Kündigung zu wehren. Die Klage muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung erhoben werden, also bei Gericht eingehen. Viele Arbeitnehmer klagen aber nur zum Schein. Eigentlich wollen sie eine Abfindung erreichen, was ansonsten ja meist eine reine freiwillige Leistung des Unternehmens ist.

Anwalt für Arbeitsrecht


Der Ausgang einer Kündigung steht oftmals in den Sternen, denn jeder Fall ist anders. Beraten Sie sich mit einem Anwalt für Arbeitsrecht. Wägen Sie mit seiner Hilfe Ihre persönlichen Möglichkeiten bereits im Vorfeld gründlich ab.
erstmals veröffentlicht am 06.09.2016, letzte Aktualisierung am 28.02.2017

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