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Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 19.08.2022 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 214 mal gelesen)

Haftung nach Autounfall: Die 5 häufigsten Fälle

Haftung nach Autounfall: Die 5 häufigsten Fälle © freepik - mko

Nach einem Autounfall ist nicht immer sofort klar, wer die Schuld am Crash hat und für die Unfallfolgen haften muss. Es gibt Fälle, da haftet nur ein Unfallbeteiligter, in anderen Fällen sind beide Verkehrsteilnehmer gleichermaßen oder zu unterschiedlichen Anteilen am Autounfall schuld. Was sind die häufigsten Haftungs-Fälle nach einem Autounfall?

1. Unverschuldeter Unfall


Es gibt Verkehrsunfälle in die ein Autofahrer völlig schuldlos verwickelt wird. So etwa eine Autofahrerin, die beim Rückwärtsfahren rechtzeitig bremste und noch vor der Kollision mit einem anderen Fahrzeug stand. Laut Bundesgerichtshof (Az. VI ZR 6/15) und Landgericht Heidelberg (Az. 1 S 6/16) hat die Autofahrerin mit ihrem Verhalten ihre Pflicht zur Vermeidung von Unfällen erfüllt und muss nicht für den Crash haften.

Steht ein Autofahrer mit seinem defekten Fahrzeug auf dem Seitenstreifen einer Autobahn und kommt es zu einer Kollision mit einem Autofahrer, der den Seitenstreifen verbotswidrig benutzt, ist dieser allein für den Unfall verantwortlich und haftet auch alleine für die Unfallfolgen, so das Amtsgericht Recklinghausen (Az. 55 C 210/13).

Fährt ein Autofahrer an einem parkenden Auto vorbei und öffnet sich völlig überraschend die Autotür, haftet der vorbeifahrende Autofahrer nicht für diesen Zusammenstoß. Laut Landgericht Stuttgart (Az.13 S 172/14) musste er nicht mit dem überraschenden Öffnen der Autotür rechnen und ist unverschuldet in die Unfallsituation geraten.

2. Auffahrunfall


Viele Autofahrer glauben, dass der Autofahrer, der auffährt immer Schuld am Unfall hat und alleine haftet. Dies ist nicht immer so. Bremst der Vordermann etwa ohne Grund ab oder fährt oder rollt er plötzlich rückwärts trägt er zumindest eine Teilschuld am Unfall und haftet mit.

In der Regel kommt es jedoch zu einem Auffahrunfall, weil der auffahrende Autofahrer nicht den notwendigen Sicherheitsabstand eingehalten hat. In diesem Fall haftet der Unfallverursacher alleine für die Unfallfolgen.

3. Selbstverschuldeter Unfall


Wer ein ordnungsgemäß parkendes Auto rempelt oder einem anderen Verkehrsteilnehmer die Vorfahrt nimmt und deshalb mit einem Fahrzeug kollidiert, hat den Autounfall selbstverschuldet und haftet auch alleine für die Unfallfolgen.
In diesem Fall zahlt die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers nur die Schäden am fremden Fahrzeug, die Schäden am eigenen Auto werden nicht übernommen.

4. Beide sind am Autounfall Schuld


Bei den meisten Autounfällen tragen beide Unfallbeteiligten eine Schuld am Zusammenstoß der Fahrzeuge. Denn auch wenn die Schuldfrage auf den ersten Blick klar ist, kann das Verhalten beider Unfallparteien zum Crash geführt haben. In diesen Fällen entscheidet die Schwere des Verstoßes, zu welchem Anteil jeder Unfallbeteiligte Schuld trägt und haftet. Im Verhältnis der ermittelten Mitschuld erfolgt dann die Schadensregulierung durch die Versicherung. Meist muss gerichtlich entschieden werden, zu welchen Teilen die Mitschuld verteilt wird.

In der Regel ist der Rückwärtsfahrende aufgrund der erhöhten Sorgfaltspflicht an einem Unfall schuld. Dies gilt aber nicht, wenn beide Fahrzeuge rückwärts zusammenknallen. Das Landgericht Heidelberg (Az. 2 S 8/14) sprach einer aus einer Parkgarage rückwärtsfahrenden Autofahrerin ein Drittel der Schuld am Unfall mit einem Autofahrer zu, der rückwärts auf der Fahrspur fuhr, als es zum Zusammenstoß kam.

Wer schneller als die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h fährt, muss immer mit einer Mitschuld an einem Unfall rechnen. So verurteilte das Landgericht Coburg (Az. 12 O 421/05) einen Autofahrer, der mit 200 km/h unterwegs war und schuldlos mit einem Auto zusammenstieß, das plötzlich von der rechten auf die linke Fahrspur wechselte, zu einer 20prozentigen Mitschuld.

Bei Unfällen mit Radfahrern haben Autofahrer in der Regel schlechte Karten, da sie mit einem regelwidrigen Verhalten des Radfahrers rechnen müssen. So trägt nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm (Az. 9 U 12/98) ein Autofahrer zur Hälfte Mitschuld an einem Unfall mit einem Radfahrer, der verbotenerweise den Radweg in falscher Fahrtrichtung nutzt.

Verkehrsteilnehmer dürfen sich nicht auf den Blinker eines Fahrzeugs verlassen. Bei einem nach rechtsblinkenden Auto, das doch geradeaus fuhr und mit einem Motorrad zusammenstieß, haftet der Motorradfahrer für den Unfall mit, so das Oberlandesgericht Dresden (Az.4 U 1354/19). Nur wenn neben dem Blinken noch eine Tendenz zum Abbiegen vorgelegen hat, durfte der Motorradfahrer auf den Blinker vertrauen.

5. Schuldanerkenntnis


Im Schock nach einem Crash kommt es immer wieder vor, dass ein Unfallbeteiligter die Schuld am Autounfall zugibt, bzw. ein schriftliches Schuldanerkenntnis unterschreibt. Hiervon ist dringend abzuraten. Auch wenn die Schuldfrage auf den ersten Blick klar zu sein scheint, ist dies an der Unfallstelle für alle Beteiligten schwer einzuschätzen. Liegt ein Schuldanerkenntnis vor, kann es passieren, dass die Haftpflichtversicherung nicht zahlt.

Wichtig zu wissen: Niemand ist verpflichtet ein Schuldanerkenntnis abzulegen!

Last but not least: Richtiges Verhalten an der Unfallstelle


Kommt es zu einem Autounfall ist der Schreck bei allen Beteiligten meist groß. Doch neben der Klärung der Schuldfrage ist jetzt das richtige Verhalten an der Unfallstelle wichtig. Neben der Versorgung möglicher Verletzter oder Sichern der Unfallstelle, sollte zu Beweiszwecken die Polizei verständigt werden und ein Unfallbericht mit Fotos und Zeugenaussagen angefertigt werden.

Lesen Sie ausführlich, wie man sich nach einem Autounfall richtig verhält, in unserem Rechtstipp „Autounfall – Was tun?“.


erstmals veröffentlicht am 27.07.2021, letzte Aktualisierung am 19.08.2022

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