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Kategorie: Anwalt Strafrecht , 20.07.2017 (Lesedauer ca. 3 Minuten)

Stalking oder Cyberstalking - Wer kann Opfern schnell helfen?

Stalking oder Cyberstalking - Wer kann Opfern schnell helfen? © mko - topopt

Stalking hat in Deutschland nach einer aktuellen Statistik im letzten Jahr rund 20.000 Menschen betroffen. Mit einem neuen Gesetz soll die strafrechtliche Verurteilung von sogenanntem Nachstellen erleichtert werden.

Was versteht man unter Stalking?


Laut Strafgesetzbuch bedeutet Stalking das unbefugte Nachstellen eines Menschens -Entweder in dem beharrlich versucht wird Kontakt zum Stalking-Opfer herzustellen oder in dessen räumlicher Nähe zu sein, aber auch wenn mit den Kontaktdaten des Stalking-Opfers etwa Waren oder Dienstleistungen geordert werden. Ein weiterer Fall von Stalking ist, wenn das Leben oder die Gesundheit des Stalking-Opfers oder seiner Angehörigen bedroht wird, oder der Stalker die Lebensgestaltung seines Opfers auf andere Art erheblich beeinträchtigt.

Cyberstalking – Psychoterror via Internet


Beim Cyberstalking spielt sich das Stalking-Verhalten des Täters im Internet ab: Mit Emails, Blog-Einträgen oder in sozialen Netzwerken wird das Stalking-Opfer psychisch unter Druck gesetzt. Cyberstalker verstecken sich dabei hinter der Anonymität des virtuellen Internets.

Vielen Cyberstalkern ist oft nicht klar, dass auch virtuelle Beleidigungen, Drohungen oder Erpressungen im realen Leben mit nicht unempfindlichen Strafen geahndet werden. Wer etwa Beleidigungen gegenüber bestimmten Personen oder unwahre Tatsachen im Internet postet, kann wegen übler Nachrede, Beleidigung, Verleumdung oder Verbreiten von falschen Tatsachen bestraft werden. Wer unerlaubt Bilder oder Videos zum Beispiel auf sozialen Netzwerken von einem Stalking-Opfer einstellt, verstößt gegen das Kunsturheberrecht. Cyberstalker, die ihre Opfer virtuell bedrohen und erpressen, machen sich wegen Erpressung oder Nötigung strafbar. Der Strafrahmen all dieser Delikte geht von Geldstrafen bis hin zu mehrjährigen Haftstrafen.

Wie können sich Stalking-Opfer wehren?


Stalking-Opfer sollten sich möglichst früh an die Polizei wenden. Hier werden sie individuell beraten und können möglicherweise mit einer frühen Anzeige den Stalker abschrecken. Für einen möglichen Strafprozess ist es zu Beweiszwecken hilfreich, wenn ein Stalking-Opfer ein Tagebuch führt, indem Zeitpunkt und Art des Stalkens vermerkt sind.
Eine Anzeige reicht aber nicht aus, um den Stalker vor Gericht zu bringen. Stalking ist ein Antragsdelikt, dass heißt eine Strafverfolgung findet nur auf Antrag des Stalking-Opfers statt. Ausnahme: Es besteht ein öffentliches Interesse an der Strafverfolgung- was aber in den seltensten Fällen gegeben sein wird. Wenden Sie sich auf jeden Fall an einen erfahrenen Anwalt, um sich möglichst effektiv gegen eine Stalkingattacke wehren zu können und keine Formfehler zu begehen.

Gesetz für besseren Schutz vor Stalking



Bundesrat und Bundestag haben ein Gesetz beschlossen, dass die strafrechtliche Verurteilung bei sogenanntem Nachstellen erleichtert.

Die Straftat Nachstellung wird mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet. Ist mit dem Stalking eine schwere Gesundheitsgefahr oder gar Todesgefahr verbunden, droht dem Stalker eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

Mit dem neuen Gesetz ist Stalking dann schon strafbar, wenn die Lebensgestaltung des Opfers schwer beeinträchtigt wird. Bislang war es etwa notwendig, dass ein Stalking-Opfer aufgrund des Stalkings seinen Wohnort änderte, damit der Stalker verurteilt werden konnte. Dies ist nach dem neuen Gesetz nicht mehr nötig.

Stalker wird wegen Nachstellung mit Todesfolge verurteilt



Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen 4 StR 375/16) hat jüngst die Verurteilung eines Stalkers wegen Nachstellung mit Todesfolge bestätigt. Der Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt, weil seine Ex-Freundin sich aufgrund der Nachstellungen das Leben nahm. Der Bundesgerichtshof stellt in seiner Entscheidung klar, dass immer dann ein Zusammenhang zwischen der Nachstellung und dem Selbstmord gegeben ist, wenn die Nachstellungen durch den Täter der Auslöser und Grund für das selbstschädigende Verhalten seines Opfers ist.


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