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Mietbetrug: Wie erkennen, wie dagegen vorgehen?

Letzte Aktualisierung am 27.07.2017 / Lesedauer ca. 4 Minuten

Mietbetrug - weit verbreitet und mit drastischen Folgen

Der Vermieter stellt dem Mieter gegen Entgelt Wohnraum zur Verfügung. Das (Nutzungs-)Entgelt, meist monatlich zu zahlen, wird als Miete bezeichnet. Details, Rechte und Pflichten der Nutzung regeln Vermieter und Mieter in einem Mietvertrag. So einfach ist das? Nein, ist es nicht. Auf beiden Seiten steht eine Leistung: Der Vermieter "leistet" den Wohnraum, der Mieter den Mietzins. Erbringt einer von beiden seine Leistung vorsätzlich nicht, kann man von Mietbetrug sprechen. Zu beachten: Der Tatbestand des Miet-Betruges ist, wie auch der Tatbestand des Betruges, an komplexe, objektive rechtliche Voraussetzungen gebunden. Mietbetrug ist, wie andere Formen des Betruges auch, ein Straftatbestand, bei dem Vorsatz gegeben ist.

Wohnen aber nicht zahlen

Standardfall für den Mietbetrug ist das so genannte Mietnomadentum, ausführlich in der Presse behandelt und das Schreckgespenst vieler Vermieter. Ein meist vertrauenerweckender Mensch interessiert sich für eine Wohnung und wird mit dem Vermieter handelseinig über Mietvertrag, Mietzins und Mietkaution. Er überweist vielleicht noch die erste Miete (oder verspricht sie zu überweisen), danach aber keine mehr. Den Wohnungsschlüssel hat der Vermieter ihm längst ausgehändigt. Aus der Mietwohnung ist er nun nicht mehr oder nur sehr schwer wieder herauszubekommen, den Mietzins bleibt er weiterhin schuldig. Er ist nicht etwa plötzlich in eine finanzielle Notlage geraten (was jedem mal passieren kann), sondern hatte von Anfang an vor, überhaupt keine Miete zu bezahlen. Vermieter haben in diesem Fall das schlechte Ende für sich.

Mietbetrug kann Vermieter in den Ruin treiben

Durch Mietbetrug / Mietrückstand drohen Ausfälle, die gerade für Kleinvermieter kritisch werden können (wenn z.B. die Finanzierung der Immobilie auf die Mieteinnahmen gründet). Die Nebenkosten laufen weiter (auch die bezahlen Mietbetrüger meist nicht), Rechtsstreitigkeiten, Anwaltskosten, Gerichtskosten usw. drohen. Wenn - nach langer Zeit des Wartens - die Mietbetrüger die Wohnung räumen (müssen), hinterlassen sie oft Müll und Chaos. Einziger Rat, der nur dann hilft, wenn Sie noch nicht an einen Mietbetrüger vermietet haben: Lassen Sie sich nicht von einem charismatischen Menschen übertölpeln, nur weil er ein beeindruckendes Auftreten an den Tag legt. Arbeiten Sie eine innere Checkliste ab, die mindestens eine Bonitätsüberprüfung des Mieters in spe vorsieht. Händigen Sie keinen Wohnungsschlüssel aus, bevor nicht Kaution und erste Miete überwiesen sind, usw. Wenn Sie tatsächlich auf einen Mietbetrüger hereingefallen sind (oder einen entsprechenden Verdacht haben) wenden sie sich an einen Anwalt. Bis zu einer erfolgreichen Räumung kann viel Zeit vergehen, und Zeit ist in diesem Fall Geld - Ihr Geld.

Zahlen aber nicht wohnen

Mietbetrug geht auch anders herum - ein Mieter zahlt Miete, bekommt aber keinen Wohnraum dafür. Diese Variante des Mietbetrugs ist schwerer vorstellbar, ist noch relativ neu, bekommt weniger öffentliche Aufmerksamkeit. Sie gedeiht vornehmlich in engen Wohnungsmärkten: Mieter suchen verzweifelt nach passendem, erschwinglichem Wohnraum und fallen auf fingierte Angebote herein, etwa Internet-Annoncen von attraktiven, günstigen Wohnungen, die es gar nicht gibt. Sie leisten eine erste Mietzahlung (oft plus Kaution) oder eine (An-)Zahlung, um ihren Anspruch zu wahren. Oder sie fallen auf eine andere Begründung des windigen Anbieters herein, warum sofort Geld gezahlt werden muss. Die Zahlung erfolgt oft in Bar oder auf ein Konto, von dem das Geld nicht wieder zurückgeholt werden kann. Eine Mietzahlung per Vorkasse für eine Wohnung, die man nie gesehen hat und die es nicht gibt - das könnte man als Leichtsinn abtun. Doch die Mietbetrüger sind noch viel raffinierter. Sie mieten selbst Wohnungen über Internetportale an (Stadtwohnungen für Touristen, Ferienwohnungen), die sie auf dem Wohnungsmarkt anbieten, und in denen sie dann sogar Besichtigungen veranstalten. Am Ende werden Mietverträge mit gleich mehreren Mietern unterzeichnet, deren erste Mietzahlungen und Kautionen dann natürlich verschwunden sind. Rat und Hilfe für potenzielle Mieter: Kritisch sein. Unbedingte Vorsicht bei sehr günstigen Angeboten. Niemals eine Wohnung "mieten", oder eine Zahlung leisten für eine Wohnung, die man nicht gesehen hat. Im Falle der fingierten Wohnungsbesichtigung könnte es helfen, sich bei einem Wohnungsnachbarn nach dem Besitzer zu erkundigen.

Wie Sie sich als Vermieter am besten schützen können

Um an eine Wohnung zu kommen, nehmen es Mietbetrüger oft nicht besonders genau mit Nachweisen und offiziellen Dokumenten. Vermieten Sie ein Haus oder eine Wohnung, empfiehlt es in jedem Fall, vorgelegte Dokumente genau zu überprüfen. Ebenso ist eine Bonitätsprüfung bei einer der bekannten Auskunfteien anzuraten, zu der man allerdings die Zustimmung des Mieters in spe einholen muss. Für Vermieter, die bereits lange Zeit vergeblich versuchen, eine Wohnung zu vermieten: Widerstehen Sie der Versuchung, auf jeden Fall zu vermieten, wenn Sie endlich einen geeigneten Miet-Interessenten gefunden haben, und schalten Sie vorhandene Warnfunktionen nicht einfach ab. Verlangen Sie auf jeden Fall die erste Mietzahlung und die Kaution vor der Schlüsselübergabe.

Ein Anwalt kann helfen

Mietbetrugsprozesse können langwierig sein. Sie führen auch nicht immer zum Erfolg, vor allem dann nicht, wenn beim Mieter tatsächlich nichts zu holen ist. Ein Anwalt wir Ihnen daher nicht immer dazu raten, ein Verfahren anzustrengen. Er hat aber trotzdem guten Rat für Sie und wird Ihnen helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn Sie es mit Mietbetrügern zu tun bekommen haben. Bei uns finden Sie einen Anwalt für Mietrecht in Ihrer Nähe - per Klick.


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